Spree Babe: "Augen auf und durch!"

Wer keine Gefühle zeigt, verhindert das Risiko beglückender Herz- und Schmerzanfälle.

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Schwangere Prenzl-Vampire

Endlich Sommer. Und so plötzlich. Grad Donnerstag hab ich so gefroren. Nun ist Samstag und es ist Sommer. Das merkt man nicht nur an der Hitze, die sich in Null Komma nix über Berlin gelegt hat, sondern auch an den Mücken. In dieser entspannten, lauen Sommernacht konnte ich meine Felldecke vom Donnerstag gedankenlos zu Boden rutschen lassen und mit einem Seufzer unter die dünne Saisondecke (Ikea, 29,90) schlüpfen. Ein letzter Blick zum Fenster, die Funkelsterne waren selbst durch den roten Gazevorhang zu erkennen, und meine Lider klappten schwer wie Blei wohltuend über die müden Äuglein. Ich dachte an den folgenden Sonntag – Bootsausflug, Liebe, treiben lassen durch den Tag, essen, trinken, Musik… Musik?

Ein hoher Ton drang an mein ebenfalls müdes Ohr. Sofort richtete ich mich innerlich auf. Innerlich, denn äußerlich war ich müde. Sehr müde. Es war spät. Aber dieser Ton… die erste Mücke des Sommers hatte sich angekündigt. Und das in der Wohnung! Schlimmer: in MEINER Wohnung! Ich liebe die Spree, Flüsse im Allgemeinen und das viele Wasser in Berlin überhaupt. Dass das schon mal klar ist. Aber die Mücken brauche ich nicht. Obwohl diese Biester eindeutig zum Wasser gehören wie der Pfarrer in die Kirche. Ich wackelte ein wenig mit der Bettdecke, was kurzfristig ein abruptes Abrutschen in eine höhere Tonlage des gleichermaßen blutrünstigen, wie musikalischen Insekts bewirkte. Das hat keinen Zweck, dachte die Schreiberin dieser Zeilen und hatte das kanadische Moskitonetz im Sinn, als sie widerstrebend, aber überzeugt, ihre Beine aus dem gemütlichen Bett schwang. Ganz ohne Licht streckte sie sich nach dem Jagdrucksack auf dem Kleiderschrank. Ein geordneter Haushalt macht sich doch bezahlt, gerade in Extremsituationen. Allein – ein Tasten im reich bestückten Rucksack brachte nicht das erwünschte Resultat. Also ab in den Flur – Licht an! Bekanntlich werden Insekten vom Licht angezogen. Auf diese Weise schlug ich zwei Fliegen bzw. Mücken mit einer Klappe: ich konnte in voller Beleuchtung nach dem nützlichen Utensil suchen und lockte gleichzeitig die Mücke aus meinem Schlafzimmer. Männer sind in solchen Fällen übrigens keine Hilfe. Erstens werden sie aus irgendwelchen Gründen verschont und zweitens merken sie sowieso nix. Dass nur die weiblichen Mücken Blut saugen, um ihre überflüssige Brut groß zu kriegen, weiß ja jedes Kind. Aber warum nehmen sie am liebsten das Blut von Frauen? Hey, ich bin auch Mutter! Was ist mit der Solidarität unter Frauen?

Während ich LED-Stirnlampe, Schrotpatronen, Halstücher, stumpfe Ersatzmesser und einen Kompass (wann hatte ich den je gebraucht im sandigen Brandenburg, kurz vor Polen – geliebtes Niemandsland?) auf den Boden packte, stieß ich auf meine lang vermisste Rehfiepe. Immerhin. Ende Juli ist Blattzeit und da könnte ich noch mal mein Glück mit dem Ding versuchen, obwohl mir da noch nie ein Bock drauf gesprungen ist. Wahrscheinlich hatte ich nicht die richtige Stimmlage für den ansonsten kritiklosen Freier. Leider fehlte das Moskitonetz, das ich über mein müdes Haupt zu stülpen wünschte. Ist wohl in der Jagdhütte. Hm. Nun ist guter Rat teuer. Da war doch noch was…

 Ja! Das große Moskitonetz, weiß, mit Röschen bestickt. Ich hatte es ganz romantisch von der Stuckdecke hängend, um den oberen Bettteil drapiert, aber mein Freund hat es irgendwie geschafft, sich dort allnächtens zu verheddern. Männer kommen nicht klar mit romantischem Tüll, der sie umwallt. Nicht mal, wenn sie ganz harmlos da liegen und eigentlich nur schlafen wollen. Also hatte ich das kitschige Bettzubehör eines Tages enttäuscht weggepackt. Natürlich ließ ich ihn auf die Stehleiter klettern für dieses Eingeständnis seiner Unfähigkeit im Umgang mit Wallestoff und Röschen. Jetzt war das Ding Gold wert! Hoffentlich lag es nicht im Keller! Fieberhaft durchforstete ich die Schränke – da! In dieser Tüte musste es sein. Bei mir herrscht Ordnung – ein Griff und die Sucherei geht los. Aber ich hatte mich nicht getäuscht. Triumphierend griff meine Hand in den Tüll. Na, warte!

 Schwungvoll schleuderte ich das Rosenmeer über meine Bettdecke und zupfte alles biestersicher zu Recht. Haha! Von der Seite her schlüpfte ich unter das Zudeck, Moskitonetz zu Recht gezuppelt – passt. Seufzend schloss ich meine Augen und räkelte mich noch ein wenig in den gemütlichen Kissen. Innerlich war ich aufgerichtet und gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht. Innerhalb zweier Minuten hatte mich das wütende Muttertier gefunden und attackierte den weißen Stoff. Ich lag reglos da und täuschte Schlaf vor. Die Mücke steigerte sich ein ums andere Mal in der Tonlage, aber das half ihr auch nichts. Den Stoff konnte sie nicht durchdringen. Nun überfiel mich bleierne Zufriedenheit. Kurz vorm Einschlafen hörte ich den hohen Ton des schwangeren Untiers und was soll ich sagen? Es war die reinste Musik für mich!