Spree Babe: "Augen auf und durch!"

Wer keine Gefühle zeigt, verhindert das Risiko beglückender Herz- und Schmerzanfälle.

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Leopardenhoehle
 

50 x 60 cm     Acryl auf Leinwand      Preis auf Anfrage                        

Filmarbeiten in Afrika    

Am Hubertustag 2001 pirschten wir mit unserem Guide Frank, einem schwarzen Begleiter und einem Kameramann - es wurde ein Film über die Jagd in Namibia gedreht - durch den Dickbusch. Wir hatten 30 Grad im Schatten - mindestens - und sobald der Jeep seine halsbrecherische Fahrt über die holprigen Steilwege verlangsamte, fühlten wir die Sonnenstrahlen stechend heiss auf unserer Haut. Das Fahrzeug hatten wir längst zurück gelassen. Es galt, das Bett des zu Regenzeiten reissenden Flusses abzuschreiten.
Die Felsformationen waren einfach malerisch: Auf einem Durchmesser von nicht mehr als fünf Metern entdeckten wir bis zu sechs verschiedene Gesteinsschichten, die dort in prächtigem Farbenspiel zusammen stiessen - glattgeschliffen und abgerundet durch die alljährlich zu Tale donnernden tosenden Wassermassen. Unvorstellbar nun in der gleissenden Sonne, die Pirschstiefel bei jedem Schritt tief im heissen Sand versinkend...
Frank, der nicht nur ein erfahrener Guide, sondern auch der Präsident des namibianischen Berufsjägerverbandes ist, hatte versprochen, uns eine Leopardenhöhle zu zeigen. Und ganz richtig entdeckten wir an einer der obersten Kaskadenstufen eine Felsspalte, die in eine recht grosszügige Höhle mündete. Claudia und mir fielen in unserem Überschwang über die Entdeckung und das viele Fotografieren gar nicht auf, dass Frank und der Kameramann sich auf die nächsthöhere Felsengruppe zurück gezogen hatten.
   "Kommt jetzt da weg!" Rief Frank. "Ihr habt genug Fotos." Wir schenkten seinen Worten allerdings keinerlei Beachtung. Ich hatte nämlich in der Tiefe der dunklen Höhle einen Knochen entdeckt - das ideale Souvenir, wie mir schien! Ich liess mich nieder auf die Knie und krabbelte auf allen Vieren durch die Felsspalte. Ein bisschen mulmig war mir doch.
   "Lass das sein!" hörte ich Frank´s Stimme hinter mir. "Komm sofort da weg!" Die Ernsthaftigkeit war nicht zu überhören. Mein Herz klopfte. Die Höhle war dunkel und mein eigener Körper raubte mir das Tageslicht, als ich mich vorwärts robbte.
   "Haste was?" hörte ich Claudias dunkle Stimme hinter mir. Eigentlich klang sie so lässig wie immer. "Nee, noch nicht." antwortete ich. Irgendwie lag der Knochen doch tiefer in dieser Raubtierbehausung als ich unter den Strahlen der Sonne noch gedacht hatte. Und überhaupt: Das Raubtier! Wo war es JETZT? Mein Blick fiel auf einige hübsch gemusterte Stachelschweinstacheln, die im Sand lagen. Die sind doch viel besser als der blöde Knochen, dachte ich und streckte meinen rechten Arm danach aus. Ich streckte ihn so lang ich konnte, um jeden überflüssigen Schritt in diese fitzmaledeite Höhle zu vermeiden. Der Sand fühlte sich kühl an und schnell schnappte ich einen Stachel.
   "Hier, ich hab was!" Froh über den Anlass, den Rückwärtsgang einlegen zu können, reichte ich den glänzenden Stachel nach hinten zu Claudia. Im Gegenzug hielt sie mir ein Stöckchen hin. "Da, nimm das, dann brauchst Du nicht so weit rein." Aber ich schüttelte den Kopf. Wenn schon, denn schon! Wieder krabbelte ich voran. Schlangen suchen ja auch gerne Unterschlupf in solchen Höhlen, schoss es mir durch den Kopf. Immerhin - 80% aller Schlangen in Namibia sind giftig. Mein Herz klopfte. Es gab kein Zurück. Aber der Leopard war nicht da - ich würde ihn auf jeden Fall riechen, bildete ich mir ein. Oder? Und dieses Stachelschwein ist ja schon tot und gefressen. Da würde sich doch kein Zweites verstecken und auf mich losgehen. Oder doch? Ich konnte mich kaum entscheiden, was schöner war... Nur noch ein kleines Stückchen weiter. Mein Arm schien aus Gummi, so weit reckte er sich vor, die Knie bohrten sich in den groben Sand, mein Blick schoss nach vorne, in die Tiefe der Höhle, wo alles eng und schwarz war. Kein Lichtstrahl erreichte das Ende dieser Grotte und was sie in diesem Moment barg - nie würde ich es wissen. Meine Finger schlossen sich um den begehrten Stachel, ich fühlte ihn glatt und kühl in meiner Hand. Wie ein Blitz rutschte ich rückwärts aus der Höhle. Geschafft!
Unter dem sicheren Licht der afrikanischen Sonne trat ich schnell zur Seite - neben den Eingang, falls doch noch ein Biest herausschiessen würde, um sich für den Diebstahl zu rächen. Strahlend verglichen Claudia und ich unsere Beute. Da sah ich hoch und blickte direkt in die versteinerten Gesichtszüge unseres schwarzen Begleiters. Er hatte sich in grösstmöglicher Entfernung postiert und ich erkannte, dass er mit meinem sicheren Tod gerechnet hatte. Ich erschrak und das war exakt der Moment, an dem mich nachträglich die Angst überfiel. Die Mischung zwischen Mut und Dummheit nennt man wohl Wagemut.

PS. Die Situation war tatsächlich so dramatisch, dass der Kameramann vergaß zu filmen...

Mareen - die wahre Wilde.*

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