Spree Babe: "Augen auf und durch!"

Wer keine Gefühle zeigt, verhindert das Risiko beglückender Herz- und Schmerzanfälle.

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Kreuzberg * * * at night...

Weißt du, ich wollte mich auf dich einlassen wie jemand, der bei einem Ausflug in einen unbekannten, einladend wirkenden Waldsee springt. Wie ein Tourist, der an der Strandbar den buntesten Cocktail bestellt, wohl wissend, dass ihm dieses verlockende Getränk am Folgetag möglicherweise Kopfschmerzen beschert.

Du hast mich mit Fragen gelöchert und mir Komplimente über mein Aussehen gemacht, deine Freundin hat mir lachend ein kaltes Bier in die Hand gedrückt, wie ein Kumpel, aber als wir tanzten, hat sie aufreizend ihren Po an meine Hüften gedrückt, die Arme über dem Kopf wie eine Flamencotänzerin. Du hast uns beobachtet – interessiert, aber zurück haltend. Ich mochte deinen schwarzen Anzug mit dem lang geschnittenen Sakko und die Fliege. Ich mochte deine blitzenden Augen und deine vollen Lippen. Irgendwann hast du mich im Gedränge am Ellbogen gefasst und gefragt, ob ich mit rauskomme „an die frische Luft“.

Wir schlängelten uns quer über die dicht gedrängte Tanzfläche, ich spürte die Blicke, die uns folgten, sah aus den Augenwinkeln die Köpfe, die sich in unsere Richtung drehten. Auch draußen nicht alleine… Plaudernd und rauchend standen die Schönheiten auf dem schmalen Gehweg, lehnten respektlos an den parkenden Wagen und küssten sich. Über dem Eingang des Clubs hing eine Lichterkette und die bunten Schirmchen erinnerten mich spontan an eine spießige Kellerbar oder eine Gartenlaube. Du lehntest deinen Po an das Auto, das direkt vor dem Eingang stand und sahst mich schweigend an. In deinem linken Auge spiegelte sich ein grünes Lampenschirmchen. Ich registrierte es nur halb, denn mein Herz klopfte. Schweigend zogst du mich an dich und zögertest nur kurz. Dann hast du deinen vollen Mund sanft auf meine Lippen gedrückt. Ich hielt ganz still, als deine warme Zungenspitze sich vorsichtig in meinen zitternden Mund schob. Dein Druck bog meinen Kopf zurück und deine Hände legten sich um meine Taille. Ich fasste dich bei den Schultern, wollte deinen Kuss erwidern, musste ihn erwidern, gab nach, lehnte mich vor, dachte nicht zurück… Herzklopfen, Herzklopfen. Dann hast du dich von mir gelöst. Ich war verwirrt, das grüne Lämpchen war fort. „Komm, Kleine!“ sagtest du und schobst mich von dir. Ich folgte dir zurück in den Club, die Musik wummerte, verwirrt… ich hatte noch nie eine Frau geküsst…