Hilfe, Frau Richterin, ich bin Erstlingsführer!
Von meinen beiden Internet-Jagdkumpeln Olly und Klaus genötigt, meldete ich mich und meine MV-Hündin zunächst noch völlig unbedarft zur Jugendsuche an. Ein Blick in den Krebs bestätigte meine Annahme: „...ist eine reine Anlagenprüfung, bei der vom Hund noch keine Leistung verlangt wird...“ Alles klar. Das können wir ja mal mitmachen. Schon bei dem ersten Kontakt teilte mir der nette Herr vom Verband mit, dass die Anmeldegebühr für Mitglieder nur 50 EUR anstatt 75 EUR koste. Die Mitgliedschaft (wieviel Euro waren das noch gleich?) böte sich für mich ohnehin an, da sich dann die Umschreibegebühren der Ahnentafel meiner echten Ungarin in Höhe von gerade mal 105 EUR auch ermässigen würden. Sorgfältig schrieb ich am Telefon alle in den nächsten Tagen zu erfüllenden Schritte und die jeweiligen Adressen der unterschiedlichen Ansprechpartner mit. Es war nur oberflächlich beruhigend zu erfahren, dass man Geld spart, wenn man es zuvor woanders ausgeben musste. Auch die Hotels, in denen man am Veranstaltungsort für unter 200 EUR übernachten konnte, notierte ich eifrig. Es schien nicht alles so teuer zu sein: Für nur 15 EUR erklärte sich das Kreisveterinäramt bereit, zu bestätigen, dass mein weisser ungarischer Impfpass in Wirklichkeit ein gelber internationaler sei. Das ging auch ruck-zuck, indem das weisse Buch in ein gelbes gelegt wurde, Ecke umgeklappt, festgetackert, Stempel drauf – fertig! Etwa zeitgleich trafen die ersten Jubelmails der beiden Anstifter ein: Addi habe schon drei Hasenspuren gearbeitet, Janosch sei schon recht ordentlich bis beinahe auffällig gut in der Wasserarbeit, habe aber nur fünf Hasenspuren gemacht. Nervöses Nachfragen bei Hundeführern im Bekanntenkreis bescherte mir die unterschiedlichsten Erkenntnisse: Nein! Also auf keinen Fall Schleppen legen (fünf Sekunden Erleichterung) bevor der Hund durchapportiert sei. Ob ich das denn noch nicht gemachte habe? - Ächz. Entsetzen. Was heisst das denn überhaupt? und: Ja! Üben musst du natürlich! - Aber was genau? Und vor allem WIE? Ich sauste sofort zu meinem lieben Hofnachbarn Wulle. Der musste es wissen! Ich schilderte ihm mein Dilemma, aber er beruhigte mich sofort: „Alles Quatsch! Mach dir mal keine Sorgen, der Hund muss noch nix können.“ – Sein mitleidiger Blick strafte seine Aussagen Lüge. Also postierte ich mich samt Hund und Flinte unter einem totsicheren Taubenschlafbaum. Nach nur zwei Stunden reglosem Ausharren im kalten Wind kamen sie endlich. Es war ein Wunder, dass ich eine getroffen habe, so hab ich gezittert vor Kälte. Immerhin: Cayenne war ziemlich begeistert über die Beute und ich dachte: Okay – schussfest scheint sie zu sein. Das hätten wir im Sack. Bleibt der Hase. Bei uns ist es wie in vielen Revieren: es ist DER Hase und nicht Hasen im allgemeinen. Wulle wusste sicher, dass DER Hase hinter dem Schweinestall wohne. Ich solle den Hund zunächst im Wagen lassen, selbst eine kleine Quersuche machen, mir die Fährte merken, den Hund holen und ihn ansetzen. Leider war der Hase nicht zu Hause. „Der wohnt da aber.“ meinte Wulle ungläubig. 5 Uhr morgens rasselte der Wecker. Die Hotelkosten wollte ich sparen. Ausgestattet mit einer Thermoskanne Kaffee sowie den widersprüchlichsten Geheimtipps meiner Hunde führenden Jagdfreunde trat ich die Fahrt an. Das Kurhotel war leicht zu finden, Klaus nicht. Er hatte am Vortag versprochen, mir und Cayenne ein paar Tricks auf der Hotelwiese zu zeigen. Darauf war ich jetzt angewiesen! Nach nur zehnmal Klingeln ging er ans Handy. Es war klar: Die Übernachtungsgäste hatten am Vorabend der Prüfung reichlich auf das Wohl ihrer vierbeinigen Jagdhelfer angestossen. Immerhin war er nach zehn Minuten zur Stelle und erklärte mir auf der taufrischen Wiese auf was es bei einer Quersuche unter den Augen der Prüfer ankommt. Schien nicht sooo schwierig zu sein und der Hund hatte seinen Auslauf. Nach und nach trudelten alle ein und wir wünschten uns Glück, da wir leider nicht in einer Gruppe waren. Fünfzig Hunde waren zur Jugendsuche gemeldet und auch erschienen, wie während der aufmunternden Begrüssungsrede zu hören war. Bei der Meldestelle, wo ich artig die gerade zurück liegende Läufigkeit von Cayenne meldete, waren sie auch sehr nett. Die eingedeutschte Ahnentafel, die in meinen laienhaften Augen haarscharf wie die ungarische aussah, hatte mich am Tag zuvor per Express-Brief erreicht. Das Programm war wohl noch auf dem Postwege, aber Klaus hatte mir fix ein Ersatzexemplar besorgt. Immerhin kannte ich nun die Namen der anderen Führer, Hunde, Richter und Helfer. Das konnte mich aber nicht beruhigen – im Gegenteil! Auf je fünf Hunde kamen drei Richter und zwei oder drei Helfer. Etliche Führer hatten noch Familienangehörige zum anfeuern mitgebracht und so war es ein ziemliches Gewühl. Dank der eindringlichen Ermahnungen des Vorstandes rückten aber doch alle Gruppen recht geordnet ab in Richtung zugeteilter Reviere. Jeder Hund sollte seinen Hasen kriegen.Ich war tief beeindruckt und dachte an Wulle. Vor Ort hatte einer der Helfer auch gleich einen Hasen spitz und bannte ihn mit dem Fernglas, während sich alle wie auf der Treibjagd an die lange Feldkante stellten, etwa alle dreissig Meter ein Hund plus Führer und Gefolge. Gummistiefel hatte ich im Auto, aber der versprochene Regen hatte nicht eingesetzt. Die Linie rückte vor, das Getreide stand eine Handbreit hoch und nach nur fünfzig Metern spürte ich, dass sich der Morgentau ohne weitere Verzögerung von den Halmen durch die Pirschstiefel direkt auf meine Füsse gelegt hatte. Ich verfluchte meine Dummheit und bemerkte, dass es den anderen genauso ging. Hihi. Nur die Richter waren schlauer gewesen: die hatten alle Gummistiefel an. „Hase! Hase!“ Das allgemeine Geschrei verlieh dem Häslein Flügel. Immerhin: der Anfang war gemacht. Zuerst seien die beiden Rüden dran und danach die nicht läufige Hündin vor den beiden läufigen. Mist. Bis dahin waren doch alle Hasen weg. Oder? Der Rüde wurde von Herrchen angesetzt, aber er hatte scheinbar in seinem Leben auch nicht mehr Hasen gesehen, als Cayenne und trottete nach zwanzig Metern schwanzwedelnd wieder zu seinem Führer. Der Arme, dachte ich mitleidig, aber meine Laune stieg. Tatsächlich gab es genügend Hasen. Einmal wurde Cayenne auf eine Spur gesetzt, die die nicht läufige Hündin nicht genügend weit verfolgt hatte. Aber das klappte bei uns auch nicht besser. Schreck! Vielleicht kann sie das nicht. Sie kapiert es nicht. Wie auch? Sie kennt das doch nicht! Hilfe! Wir wechselten das Feld. „Hase!“ Cayenne hatte nichts mitgekriegt. Schade eigentlich. Die Hunde SOLLEN ja auch die Flucht des Hasen nicht sehen und streng nach Nase arbeiten, aber die Verzweiflung der anderen nährt den Wunsch, der Hund möge, wenn auch heimlich, ETWAS sehen. Der Hase rannte das ganze Feld hoch, machte einen Bogen, nahm den Kamm ab und verschwand Richtung Strasse. Alle hatten es gesehen, auch der Hund, der eigentlich dran war, nur Cayenne nicht. Also wurde es ihr Hase. Ein netter Helfer hatte mir verschworen mitgeteilt, dass es von Nutzen und auch erlaubt sei, den Hund zunächst auf der Fährte zu begleiten und nach rund dreissig Metern zurück zu bleiben. Das tat ich auch, mein Herz raste, der Hund wurde wieder langsamer. Vielleicht hatte ich mich zu früh zurück gezogen. Wie lang sind dreissig Meter auf einem ansteigenden Feld - betend, laufend, den Hund beobachtend, die Leute im Nacken? Alles raste grün vorbei und ich blieb nach Gefühl stehen. Die Richterin, die immer recht streng über den Brillenrand spähte, zischte mir zu: „Machen Sie nichts.“ Der Hund nahm die Nase wieder runter und legte an Geschwindigkeit zu. Da lief sie – meine Cayenne: das ganze Feld hoch, zögerte - „Machen Sie nichts.“ – und fand den Bogen, den der Hase geschlagen hatte. Ich begriff, dass die Richterin dem Hund die Chance lassen wollte. Und es hatte sich gelohnt! Sie war so weit gegangen, viel weiter als alle anderen Hunde der Gruppe. Jetzt allerdings preschte sie auf die Strasse zu. „Pfeifen Sie! Pfeifen Sie!“ Ein Auto kam, erfasste die Situation sofort und hielt an. Ich pfiff, der Hund rannte über die Strasse und war weg. Das konnte sie gar nicht hören, nicht so weit und gegen den Wind! Und überhaupt hatte ich die Pfeife erst vor einigen Tagen erworben. Jetzt ist alles im Eimer. Der Hund hat keinen Gehorsam gezeigt. „Laufen Sie! Holen Sie den Hund von der Strasse weg!“ Alles im Eimer. Erst verfolgt sie so schön die Spur, aber nun ist sie weg und hört nicht. So etwas lässt sich nicht ausbügeln, dachte ich und schämte mich im selben Moment, weil ich nicht an die Strasse gedacht hatte. Ich beschleunigte meinen Trab, fühlte alle Blicke in meinem Rücken und wusste genau, dass wir diesen Programmpunkt versiebt hatten. Als ich bei der Strasse ankam, sah ich den Hund weit in dem jenseitigen Feld hinter einem Hasen hersprinten. Auch das noch! Jetzt hetzt sie noch sichtiges Wild – ganz schlecht! Der Hase entkam mit einem letzten Spurt in den Wald und – oh, Wunder – mein Hund reagierte auf meine Rufe und kam mit hängender Zunge angesaust um sich anleinen zu lassen. Natürlich lobte ich sie überschwenglich, während ich dachte, dass nun aber auch alles im Eimer sei. Niedergeschlagen trat ich den Rückweg an, aber der Hund war sehr zufrieden. Als ich näher kam, sah ich „Daumen hoch“ bei zwei Helfern. Häh?? Die Richterin sah recht zufrieden aus. Hm. „Wir haben alles gesehen,“ sagte sie nachdrücklich, als ich zu Erklärungen anhub. „Super!“ raunte mir eine Stimme von schräg hinten zu. Die hübsche Ungarin – Kati. Sie war gleich supernett auf mich zugekommen und hatte mir Mut gemacht. Sie sei ebenfalls Prüferin, aber in einem anderen Bundesland und Gast bei dieser Jugendsuche. Herzklopfen. Also war doch nicht alles verloren? Quersuche und Schussfestigkeit wurden in eins abgewickelt. Der Hund, der ruhig vom Führer angefeuert werden durfte, musste eifrig eine grosse Wiese durchkämmen ohne schnüffelnd stehen zu bleiben. Suchen eben. Während dessen mussten vom Führer zwei Schrotschüsse abgegeben werden. Bei den fünf Hunden waren sehr unterschiedliche Reaktionen zu sehen: einer kniff die Rute ein und sauste zu Herrchen. Der Fall war klar: dieser Rüde hatte offensichtlich Angst. Der andere Rüde machte mit allen Vieren einen Satz in die Luft und drehte sich dabei gleichzeitig um. Die Schlappohren – okay, okay: die Behänge – standen dabei waagerecht ab und es sah sehr lustig aus. Als er sah, dass Herrchen nichts passiert war, suchte er umgehend weiter. Bravo. Cayenne schaute auch nur kurz, ob irgendwo eine Taube runterfiel und sauste dann weiter. Alles bestens. Der eine oder andere Hund ging aber schnüffelnd über die Wiese und beschleunigte nur kurzfristig die Gangart, wenn Herrchen keuchend (Raucher) vorlief. Dafür wollte Herrchen vom Richter zwei Extra-Punkte angerechnet bekommen. Hihi. Die anderen warteten an der Wagenkolonne. Es stellte sich heraus, dass der Führer der nicht läufigen Hündin Pfälzer und Pferderichter war. Er informierte uns weiter, dass Pfälzer auch tagsüber zwingend Wein trinken und da niemand fremdenfeindlich sein wollte, tranken wir fleissig mit. Er unterhielt uns auch mit spannenden Geschichten über seine voraus gegangenen Hunde, die wir zwar mangels Sprachkenntnissen nicht vollständig verstehen konnten, die aber seinerseits durch Hochglanzfotos belegt wurden. So nach und nach wuchs die Gruppe zusammen. Bevor das Ganze den vollständigen Charakter einer Weinprobe annahm, wurden glücklicherweise Futterpakete in netten Stofftaschen mit Vereinsemblem verteilt. Wir wechselten die Örtlichkeit um das Vorstehen der Hunde zu testen. Auf einer Stillegungsfläche kamen alle nach und nach zum Zuge. Cayenne stand dreimal vor bis sie ein Kaninchen entdeckte. Nachdem sie ordnungsgemäss – kurz – vorgestanden hatte, sauste sie los um Beute zu machen. Schon wieder weg. So ein Mist, so ein elender! „Pfeifen Sie!“ befahl die Richterin und spähte in den urwaldgleichen Bestand. „Ich hab die Pfeife erst ein paar Tage! Das ist mein erster Hund.“ informierte ich sie verzweifelt und pfiff. Natürlich kam der Hund nicht. Innerlich flehend stieg ich über umgestürzte Baumleichen, zertrat krachendes Totholz, ruderte mit den Armen durch herab hängende Lianen oder ähnlichem um plötzlich einen braunen Blitz vorbei sausen zu sehen. „Cayenne!“ rief ich, aber der gute Hund war wohl ganz richtig in seiner Spur zurück gelaufen (ich weiss ganz sicher, dass mein Hegeringsleiter mal so etwas erwähnte) und wurde von einem Richter „verhaftet“. Überschwenglich lobend und innerlich fluchend nahm ich den Hund an die Leine. Der nächste bitte! Auf dem Hof wurden die Hunde noch auf ihren körperlichen Zustand überprüft und dann beratschlagten sich die drei Richter. Es schien recht ernst zu sein, Spannung lag in der Luft. Dann verlas die Hauptrichterin die Punktzahlen. Der erste Rüde war komplett durchgefallen, der Arme. Herrchen litt und der Hund klebte an seinem Knie, als wolle er es auf diese Weise wieder gut machen. Sonst hatten es alle recht gut gemacht. Als Cayenne an die Reihe kam, blätterte die Richterin weiter und murmelte: „Den machen wir zum Schluss.“ Mein Herz! Ich hab´s gewusst: wahrscheinlich gute Anlagen, aber alles versiebt. Was soll´s! Der Hund gehört zur Familie. Diese völlig überflüssige Prüfung! Die Brauchbarkeit reicht doch aus und die mache ich im Kreise meiner Hegeringsfreunde. Und dann die ganzen Kosten. Nur um sich hier zu blamieren, obwohl mein Hund total klasse ist. Jedenfalls für mich und wie die anderen ihn finden, ist mir doch egal! „...kommen wir jetzt zu unserem Sorgenkind. Frau Vahle, bzw. Mohoskoi...also ihr Hund.“ (Wie alle adligen richtigen Ungarn hat Cayenne natürlich einen für uns schwer auszusprechenden Namen. Eigentlich heisst sie also Morgenröte vom Moosstein. Aber wer will so hinter seinem Hund herrufen und dann noch auf ungarisch? Da kommt der doch nie!) Mein Herz klopfte, aber ich war auf alles vorbereitet. Nur nicht darauf, dass die Hauptrichterin mit der strengen Brille ausführlich erklärte, wie mein Hund, also MEINER, die Spur sooo weit ganz richtig nachgesucht habe, sogar über die Strasse hinweg die Spur gehalten habe, sogar über den Trockenacker, dann den Hasen gestochen habe und dann den sichtigen Hasen gejagt habe. LEIDER stumm und das sei das Dilemma, daher könne sie NUR elf (!!) Punkte geben, statt der höchstmöglichen zwölf. Wow! Wer hätte das gedacht! Auch das Nachprellen beim Vorstehen am Kaninchen sei okay gewesen, da sie es ja noch nicht anders gelernt habe. Ich war sprachlos. Alle gratulierten und freuten sich mit mir. Gut, dass ich die Prüfung mitgemacht habe! Es ist ja doch besser, wenn so etwas in den (eingedeutschten) Zuchtpapieren steht. Die Kosten dafür lohnen sich allemal. Dann ging es zurück zum Suchenhotel. Die nächste Stunde verbrachte ich im Auto am Rande des Kurparks. Im Gebläse versuchte ich meine Schuhe und Strümpfe zu trocknen und machte für eine Weile die Augen zu. Cayenne war nach dem Füttern sofort eingeschlafen. Kein Wunder. Mich plagte die Vision von Sofa und Kuscheldecke. Aber daraus wurde nichts. Für 20 Uhr war die Siegerehrung angesetzt mit anschliessender Hauptversammlung. Siegerehrung. Wenn Cayenne ohne Üben schon so war, wieviele Punkte mochten dann erst die anderen haben... Irgendwann rappelte ich mich hoch. Müde. Kalt. Die ersten Regentropfen stippelten auf die Windschutzscheibe. Das Wetter hatte den ganzen Tag gehalten. Scheinbar mochte der liebe Gott ungarische Vorstehhunde. Ich schaffte nur die halbe Auffahrt zum Hotel. Auf der Mitte befand sich eine Art Pfälzer Wein-Mautstelle. Die Vorräte des Pferderichters, der übrigens Heinz hiess, fanden grossen Anklang bei den anderen Hundeführern. Offensichtlich hatte er diese über Cayenne´s Punktzahl informiert, denn die Jubelrufe: „Hier kommt unsere Suchensiegerin!“ hallten mir schon entgegen. Leicht verstört nahm ich das „Dobbiglas“ (das ist jetzt Lautschrift - trotz Nachfragen hab ich bei den fliessend pfälzisch vorgetragenen Erklärungen zu dem Glas nur soviel verstanden, dass es für Pfälzer wichtig sei, dass so ein Weinglas 0,5l fasse.) entgegen und nahm einen tiefen Schluck. Jeder schien zu wissen, wer wieviel Punkte habe und kannte jemanden, der auch schon mal so und so viele Punkte hatte und das kam so... Aha! Es war erstaunlich, wie schnell sich so ein Dobbiglas leeren und wieder füllen kann. Dieser Pferderichter-Wein hatte auch Einfluss auf die Kontaktfreudigkeit der Hundeführer, die nicht gerade sichtig von ihren mitgeführten Gattinen gehetzt wurden. Einige wollten mit mir züchten oder mir ihr Insider-Wissen ins Ohr flüstern. Ein strahlender Klaus kam aus dem Hotel die Auffahrt lang um mich zu knuddeln. Er habe von meiner Punktzahl gehört. (Wie bloss? Hier laufen 200 Leute rum. Locker.) Er freute sich ehrlich mit mir. Und das freute mich. Wir überbrückten den Rest der Wartezeit im Restaurant. Es sah alles so lecker aus, aber ich hatte keinen rechten Appetit. Endlich war es so weit: alle fanden sich im Saal ein und nach und nach wurde ein jeder aufgerufen. Nicht wenige waren durchgefallen und dann ging es von den unteren Punktzahlen immer weiter zu den nächst höheren. Dann wurden die mit der Punktzahl „70“ aufgerufen. Mir wurde klar, dass das eine sehr gute Punktzahl war. Dann gab es noch „71 Bronze“ und „72 Silber“. Mein Herz klopfte. Meine Tischnachbarn – links der Weinkenner, rechts Kati – schauten mich aufmunternd an. Sollten wir wirklich gewonnen haben? Ich hörte meinen Namen und der Redner war sogar in der Lage Cayenne´s ungarischen Moosnamen halb richtig auszusprechen, der Gute! „72 Punkte, die Jüngste und somit Suchensieger!“ Alle klatschen, ich freute mich total und wünschte, der Hund wäre bei mir, statt im Auto zu schlafen. So nahm ich dann nach etlichem Hände schütteln die Urkunde, die Medaille und eine tolle Schweissleine für uns Beide entgegen. Ich weiss noch, dass ich dachte: Die freuen sich wirklich mit mir! Trotz der Aufregung und Überraschung habe ich mich sehr wohl gefühlt und jubelnd die überreichten Gegenstände hochgehalten Richtung Klaus und Olly, ohne die ich da wohl nicht mitgemacht hätte. Als Klaus im Verlauf der weiteren Veranstaltung rüber kam und mir empfahl, ein paar Dankesworte zu sagen, zögerte ich nicht. Ich ging nach vorne und bat um das Mikro. Was ich genau gesagt habe, weiss ich auch nicht. Dazu war ich zu aufgeregt und so von Freude durchdrungen. Jedenfalls hat es Superspass gemacht, es war toll organisiert, eine herzliche, ehrliche Atmosphäre und ich hab mich unterstützt gefühlt und nicht auf eine unangenehme Art und Weise auf dem Prüfstand. Danke Olly und Klaus. Und: Hey! Wann ist die HZP? Juhuuuuuuuuu!!!!
Eure Mareen – die wahre Wilde (Hundeführerin)